Sieben Schlücke

Methode „Sieben Schlücke“ 

Die Schluckschrift eines Getränks. Eine Methode des Mood Pairing

Sergej Münch
Dipl. Ingenieur-Ökonom (Chemie-/Forstwirtschaft)
Spirituosen-Künstler & Founder
Individual Spirits Manufacture – WITHAL

„Sieben Schlücke“ ist eine einfache Methode, um nicht nur den Geschmack eines Getränks, sondern auch die eigene emotionale Reaktion darauf wahrzunehmen und sichtbar zu machen.

Die Methode entstand nicht aus der klassischen Sensorik und nicht aus einem wissenschaftlichen Bewertungssystem, sondern aus der konzeptuellen Kunst.

Ihr Ausgangspunkt war die Performance „Fünf Schlücke“. Dabei wurde nach jedem Schluck eines alkoholischen Getränks spontan die unmittelbar empfundene emotionale Reaktion notiert. Aus dieser künstlerischen Versuchsanordnung entwickelte sich später die erweiterte Methode „Sieben Schlücke“.

Gerade dieser Ursprung bestimmt ihren Charakter: Es geht nicht darum, ein Getränk möglichst objektiv zu beurteilen, sondern darum, seine subjektive emotionale Wirkung als persönliche Erfahrung festzuhalten.

Konzept und Methode: Sergej Münch, 2026

Vom Geschmack zur Emotion

Bei einer klassischen Verkostung richtet sich die Aufmerksamkeit vor allem auf das Getränk:

Welche Aromen erkenne ich? Wie ist die Säure? Welche Tannine nehme ich wahr? Wie lang ist der Abgang?

„Sieben Schlücke“ stellt eine andere Frage:

Was passiert mit mir, wenn ich dieses Getränk trinke?

Zwei Menschen können denselben Wein aus derselben Flasche trinken, sensorisch ähnliche Eigenschaften erkennen – und ihn dennoch emotional völlig unterschiedlich erleben.

Die Methode ersetzt deshalb keine professionelle Wein- oder Spirituosenverkostung. Sie ergänzt sie um eine andere Dimension:

die emotionale Wahrnehmung.

Sieben Schlücke – sieben spontane Reaktionen

Das Prinzip ist bewusst einfach.

Ein Getränk wird in sieben Schlücken getrunken. Nach jedem Schluck wählt die Person möglichst spontan ein Zeichen aus, das ihrer momentanen Reaktion am nächsten kommt.

Nicht analysieren.
Nicht begründen.
Nicht nach der „richtigen“ Antwort suchen.

Trinken. Fühlen. Zeichen setzen.

Dafür steht ein kleines emotionales Alphabet aus zwölf Basiszeichen zur Verfügung:

Zeichen        Bedeutung

:)                   Freude
:D                  Heiterkeit
*O*               Begeisterung
:O                  Überraschung
:?                   Neugier
:~                  Entspannung
:|                   Neutralität
:/                   Unsicherheit
%O               Verwirrung
:[                   Unbehagen
:(                   Enttäuschung
:X                  Ablehnung

Vier zusätzliche Zeichen erweitern das emotionale Spektrum:

Zeichen        Bedeutung

;)                   Verspieltheit
:!                   Spannung
:>                  Verlangen nach dem nächsten Schluck
:<                  Sättigung – es ist genug

Nach sieben Schlücken stehen sieben Zeichen nebeneinander.

Zum Beispiel:
:O → :? → :) → :) → *O* → :~ → :)

Diese Folge ist die persönliche Schluckschrift dieses Getränks.

Wenn zunächst nichts eindeutig ist
Nicht jeder Mensch kann seine Reaktion auf ein Getränk sofort benennen. Das ist kein Problem – und kein Fehler in der Schluckschrift.

Auch Neutralität, Unsicherheit oder Verwirrung sind mögliche und vollkommen gültige Reaktionen. Es muss nach einem Schluck nichts Besonderes passieren.

„Sieben Schlücke“ verlangt deshalb nicht, eine Emotion zu erzeugen. Die Methode lenkt lediglich die Aufmerksamkeit auf das, was gerade vorhanden ist.

Mit wiederholter Anwendung kann sich dabei etwas Interessantes zeigen: Die Aufmerksamkeit für die eigene Reaktion kann wachsen, Unterschiede zwischen einzelnen Empfindungen können leichter erkennbar werden und die persönliche Schluckschrift kann sich differenzieren.

So beschreibt „Sieben Schlücke“ nicht nur ein Getränk aus emotionaler Perspektive. Die Methode kann zugleich zu einer spielerischen Übung darin werden, die eigene Reaktion bewusster und differenzierter wahrzunehmen.

Was ist eine Schluckschrift?

Ein einzelnes Zeichen ist ein Schluckzeichen.

Sieben Schluckzeichen bilden gemeinsam die Schluckschrift.

Sie beschreibt nicht, ob ein Getränk „gut“ oder „schlecht“ ist. Sie hält fest, was zwischen einem Menschen und einem Getränk in einem bestimmten Moment passiert.

Deshalb kann derselbe Wein bei verschiedenen Menschen völlig unterschiedliche Schluckschriften erzeugen.

Und auch derselbe Mensch kann denselben Wein an zwei verschiedenen Abenden anders erleben.

Das Getränk mag dasselbe sein.

Der Mensch, die Situation, die Erwartungen, die Gesellschaft, die Erinnerungen und die Stimmung sind es nicht.

Genau hier verbindet sich „Sieben Schlücke“ mit der übergeordneten Idee des Mood Pairing.

Die emotionale Dramaturgie

Interessant ist nicht nur jedes einzelne Schluckzeichen, sondern auch die Reihenfolge der sieben Zeichen.

Eine Schluckschrift kann beispielsweise stabil sein:
:) → :) → :) → :) → :) → :) → :)

Sie kann sich steigern:
:| → :? → :) → :) → :D → *O* → *O*

Sie kann beruhigen:
:O → :) → :~ → :~ → :~ → :~ → :~

Oder eine unerwartete emotionale Bewegung zeigen:
:O → :) → :/ → *O* → :| → :) → :D

So entsteht eine emotionale Dramaturgie des Getränks.

Sieben Schlücke werden zu sieben Momentaufnahmen einer kleinen Geschichte.

Keine Punkte. Keine Sterne.

Die Schluckschrift vergibt keine Punkte und keine Sterne.

Ein Wein für 12 Euro kann eine intensive, überraschende und abwechslungsreiche Schluckschrift hervorrufen. Ein Wein für 120 Euro vielleicht eine ganz andere.

Damit tritt auch der Preis des Getränks für einen Moment in den Hintergrund.

Entscheidend ist nicht:

Was kostet diese Flasche?

Sondern:

Was habe ich mit ihr erlebt?

Genau darin liegt der spielerische Gedanke der Methode: Ein bereits gekauftes Getränk erhält eine zusätzliche emotionale Dimension, ohne dass ihm etwas hinzugefügt oder an ihm etwas verändert werden muss.

Eine persönliche Signatur des Augenblicks

Die Schluckschrift gehört weder allein zum Getränk noch allein zum Menschen.

Sie entsteht zwischen beiden.

Sie ist die emotionale Signatur einer einmaligen Begegnung:

dieser Mensch – dieses Getränk – dieser Augenblick.

Beim nächsten Mal kann die Signatur bereits anders aussehen.

Und vielleicht ist gerade das das Interessanteste an einem Getränk:

Nicht nur, wie es schmeckt.

Sondern was es mit uns macht.

Sieben Schlücke. Sieben Zeichen. Eine Schluckschrift.

„Sieben Schlücke“ versteht Verkostung nicht als Wettbewerb um die präziseste Beschreibung, sondern als Einladung zur Wahrnehmung.

Sie macht aus sieben Schlucken sieben kurze Beobachtungen – und aus sieben Beobachtungen eine persönliche Schluckschrift.

Keine Bewertung. Eine Begegnung.

© Sergej Münch 2026 · Konzept und Methode „Sieben Schlücke“

Erleben Sie das Besondere

Jetzt entdecken und genießen

Treten Sie in die Welt der einzigartigen Spirituosen und Geschmackserlebnisse ein.

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.